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Wenn Krebs zu einer chronischen Krankheit wird

Wer die Diagnose Krebs erhält, reagiert darauf zunächst mit einem Schock – noch immer trägt die Erkrankung das Stigma von Hoffnungslosigkeit und Unheilbarkeit. Der Blick auf die Statistik lehrt jedoch, dass dank der Verbesserungen in der modernen Medizin aus einer unmittelbar lebensbedrohlichen Krankheit immer häufiger ein chronisches Leiden wird. Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge leben in Deutschland knapp 1,5 Millionen Menschen bereits fünf Jahre oder länger mit ihrer Krebserkrankung, bei rund zwei Millionen liegt die Erstdiagnose Krebs sogar schon mehr als zehn Jahre zurück. Doch was bedeutet das für die Betroffenen? Und welche Krebspatienten profitieren besonders von den Fortschritten in Therapie und Diagnostik?

Frühe Diagnose erhöht die Heilungschancen

Die Aussicht auf eine längere Lebenszeit mit der Diagnose Krebs hängt von vielen Faktoren ab. So kennt man zum Beispiel Tumoren, die wenig aggressiv sind und den Organismus zunächst nicht beeinträchtigen – auch ohne Therapie kann der Betroffene lange Zeit mit seiner Diagnose leben, ohne dass größere Beschwerden auftreten. Das gilt für Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie und niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen. Auch Prostatakrebs kann, besonders im Alter, sehr langsam fortschreiten.
Die Anzahl der chronisch Krebskranken steigt aber vor allem auf Grund besserer therapeutischer und diagnostischer Möglichkeiten. Patienten mit Darmkrebs leben heute im Durchschnitt drei- bis viermal länger als früher. Deutliche Fortschritte sind auch bei anderen Krebsarten zu verzeichnen; das betrifft unter anderem Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs, Eierstockkrebs, metastasierte Tumoren der Blase, die schon erwähnten chronischen Leukämien und niedrig maligne Non-Hodgkin-Lymphome. Zwar führen neue Behandlungen nicht notgedrungen zu einer Heilung, wohl aber zu mehr Lebenszeit, vielfach bei einer besseren Lebensqualität als noch vor 20 Jahren.

Wird der Krebs früh genug entdeckt, dann steigen auch die Chancen für eine Heilung. Bei einer kleinen Gruppe von Tumoren ist inzwischen sogar eine Heilung im fortgeschrittenen Stadium oder nach Metastasierung möglich. Dazu zählen Hodentumoren, Sarkome, maligne Lymphome und die akuten Leukämien. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind die Heilungsraten inzwischen auf über 80% angestiegen. Aber auch Erwachsene haben bei bestimmten Tumorarten hervorragende Chancen auf ein langes Leben: so können 90% der Männer mit Hodentumoren im frühen Stadium und 50-80% der Patienten mit hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen von ihrem Krebsleiden geheilt werden. Möglich wurde dies vor allem durch bessere Zytostatika, neue Medikamente und die Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation.

Späte Symptome richtig einordnen

Selbst geheilte Krebspatienten werden oft noch lange nach Abschluss der Behandlung mit den Folgen der Erkrankung und der Behandlungen konfrontiert. Zu den Therapie-Spätfolgen zählen unter anderem:
  • Nervenschädigungen,
  • ein abgeschwächtes Immunsystem,
  • Herzprobleme,
  • hormonelle Beschwerden,
  • Unfruchtbarkeit, vorzeitige Wechseljahre,
  • Zweitmalignome,
  • Behinderungen, etwa eine eingeschränkte Beweglichkeit des Arms nach einer Brust-OP.
Aber auch diffuse Symptome, wie das Fatigue-Syndrom mit allgemeiner Schwäche und Leistungsminderung können langfristig zu einer Umstellung der Lebensgestaltung zwingen.1 Noch vor wenigen Jahren nahm man an, dass diese typische Müdigkeit die Folge einer gestörten Blutbildung aufgrund von Zytostatika sei. Doch das Phänomen Fatigue ist weit komplexer und hängt möglicherweise auch davon ab, wie die Krankheit psychisch verarbeitet wird.2 Viele Betroffene fürchten sich auch nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung vor einem Rückfall und die Unsicherheit über den eigenen Gesundheitsstatus kann zu einer erheblichen psychologischen Belastung führen.

Langfristig besteht die Hoffnung, dass neue Therapien zu einer Verbesserung vieler dieser Spätfolgen führen. Zum Beispiel haben sich die Möglichkeiten für junge Hodgkin-Patienten, später Kinder zu bekommen, mit der Einführung einer neuen schonenderen Chemotherapie Mitte der 1980er Jahre sehr geändert.

Klar ist, dass die Versorgung eines Krebspatienten nicht mit dem Therapieende aufhört. Die Betroffenen können lange Zeit symptomfrei sein, bevor sich Spätfolgen manifestieren. Ärzte müssen in der Weiterbildung lernen, welche Symptome vorkommen können, um darauf vorbereitet zu sein, sagt Sophie Fossa vom Nationalen Kompetenzzentrum für Langzeitfolgen von Krebs in Oslo. Neben den üblichen Nachsorgeuntersuchungen sollten auch psychoonkologische und psychosoziale Aspekte nicht außer Acht gelassen werden, ergänzt Professor Hans-Helge Bartsch von der Freiburger Klinik für Tumorbiologie. Der kommende Deutsche Krebskongress bietet ein hochkarätig besetztes Forum für Diskussionen um die Spätfolgen von Krebs und die entsprechenden supportiven Maßnahmen und um die onkologische Rehabilitation.




 
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Referenzen
[1] http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/behandlung/chemotherapie-nebenwirkungen.php
[2] http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-index.php


Aktualisiert am: 24.11.11 - 12:56



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