Mit insgesamt etwa 33.000 Neuerkrankungen [1] pro Jahr in Deutschland ist Lungenkrebs noch immer die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Bei den Frauen steht das Bronchialkarzinom auf Platz drei der Rangliste der Häufigkeit.
Nicht zuletzt die insgesamt eher ungünstige Prognose der Erkrankung – die 5-Jahres-Überlebensrate liegt immerhin nur bei 15-18% [1] − zeigt, dass weitere Verbesserungen in Therapie und Versorgung der Patienten erforderlich sind. Hier gab es in den letzten Jahren bereits einige maßgebliche Fortschritte, die sich zukünftig positiv auf die Überlebensrate der Patienten auswirken könnten.
Etablierung von LungenkrebszentrenIm Jahre 2009 wurden in Deutschland unter der Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) die ersten Lungenkrebszentren zertifiziert. In einer Pilotphase erfüllten sieben Kliniken die Anforderungen, die von der DKG unter Beteiligung aller zuständigen Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Zwischenzeitlich wurden weitere Zentren zertifiziert. Es wird erwartet, dass sich durch die Zertifizierung von Lungenkrebszentren die Behandlungserfolge langfristig verbessern werden.
Neue S3-Leitlinie „Lungenkarzinom“Sehr zu begrüßen ist weiterhin die Etablierung der neuen S3-Leitlinie „Lungenkarzinom“ der Deutschen Krebsgesellschaft unter Beteiligung aller relevanten Fachgesellschaften. Sie wird im Februar 2010 in Druckform vorliegen. Damit wurde eine mehrjährige Arbeit unter Federführung von Prof. Dr. G. Goeckenjan (Kassel) erfolgreich abgeschlossen.
Die dann vorliegende S3-Leitlinie erlaubt die flächendeckende Umsetzung einer multidisziplinären und qualitätsgesicherten Therapie von Lungenkarzinomen. Zwischenzeitlich hat auch eine Arbeitsgruppe zur Etablierung einer S3-Leitlinie „Malignes Mesotheliom“ ihre Arbeit aufgenommen.
Neue TNM-Klassifikation Mit Wirkung von August 2009 wurde ein neues TNM-System für die Beschreibung der Ausbreitung eines Lungenkarzinoms in Kraft gesetzt. Unter Federführung der „International Association for the Study of Lung Cancer“ (IASLC) wurden basierend auf der Auswertung von nahezu 100.000 Patienten mit Lungenkarzinom insbesondere die Kriterien für den Primärtumor (T-Faktor) und für die Metastasierung (M-Faktor) neu festgelegt. Das ermöglicht eine differenziertere Beschreibung der Tumoren und eine verlässlichere Einschätzung der Prognose. Bei beidem handelt es sich um wichtige Faktoren für individuelle Therapieentscheidungen.
Therapieinnovation: Gefitinib bei Lungenkrebs von Nichtrauchern der konventionellen Chemotherapie überlegenDie so genannte personalisierte Therapie (=individuell angepasste Therapie) bei metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC) sorgte bereits für viel Aufmerksamkeit. In einer randomisierten Studie wurde bei 1217 asiatischen Patienten mit Adeno¬karzinomen und keinem oder begrenztem Nikotinkonsum in der Primärbehandlung der Stellenwert einer Therapie durch den EGF-Rezeptor Tyrosinkinase-Inhibitor Gefitinib mit einer Chemotherapie (Carboplatin/Taxol) verglichen (I-PASS–Studie) [Mok et al., N Engl J Med 2009, 361: 947-57].
Für den Behandlungsarm mit Gefitinib zeigte sich eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (HR = 0,74; p < 0,0001). Bei Patienten mit Nachweis einer Mutation des EGF-Rezeptor-Gens zeigte sich im Vergleich zur konventionellen Chemotherapie für Gefitinib sogar eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate (ORR) (71 % vs. 47 %; p = 0,0001) wie auch des progressionsfreien Überlebens (HR = 0,48; p < 0,0001). Die Ergebnisse dieser Studie haben dazu geführt, dass Gefitinib bei Patienten mit Nachweis einer EGF-Rezeptor-Mutation im Stadium IIIB/IV des NSCLC in allen Therapielinien zugelassen wurde.
Auch in der neuen S3-Leitlinie „Lungenkarzinom“ wird hervorgehoben, dass bei Patienten mit aktivierenden Mutationen des EGF-Rezeptors (insbesondere del. 19; exon 21 L858R) Gefitinib im Hinblick auf Remissionsrate und progressionsfreies Überleben in der Erstlinienbehandlung einer Chemotherapie signifikant überlegen ist. In der erwähnten zulassungsrelevanten Studie erfolgte die Analyse des Mutationsstatus bei Patienten mit einem Adenokarzinom und minimalem Nikotinkonsum (94% Nie-Raucher).
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http://www.rki.de Dachdokumentation Krebs, Broschüre Lungenkrebs