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Aussicht auf Heilbarkeit beim Brustkrebs

 
»Beim metastasierten Mammakarzinom gibt es interessante neue Therapieverfahren, die auch in der translationalen Forschung beleuchtet werden. Dabei sollen auch vermehrt Fragen aus der Klinik zurück in das Labor gehen«.
 

Prof. Dr. Günter Emons, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie (AGO)

 


Brustkrebs ist mit einer Inzidenz von 57.000 neuen Fällen [1] pro Jahr zwar nach wie vor die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen in Deutschland. Dennoch: Es bewegt sich vieles, woran besonders deutsche Wissenschaftler und Studiengruppen stark beteiligt sind.

So ist Brustkrebs dank intensiver Forschung in den letzten Jahren auf dem besten Weg, eine heilbare Erkrankung zu werden. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg konnte in den letzten zehn Jahren die Mortalität signifikant gesenkt werden – auch wenn die Inzidenz nach wie vor ansteigt. Wesentliche Grundlagen für diesen Erfolg sind Verbesserung der Früherkennung, der medikamentösen adjuvanten Therapie und der Behandlungsstrukturen sowie die Standardisierung der Behandlung. Die aktuellen Neuerungen versprechen diesen positiven Trend noch weiter zu verstärken.

Das Mammographie-Screening ist inzwischen deutschlandweit eingeführt und etabliert. Für eine Auswertung ist es derzeit noch zu früh, es scheint jedoch gut angenommen zu werden.

Die Zertifizierung und Spezialisierung der Brustzentren mit insgesamt fast zweihundert Brustzentren deutschlandweit ist zu einem Erfolgsmodell geworden und auch für unsere Nachbarländer beispielhaft. Allerdings fehlt bislang eine zusätzliche Vergütung durch die Kostenträger für diese aufwändige Steigerung der Qualität.

Durch Leitlinien (Empfehlungen der AGO Kommission Mamma, S3-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft) wurde die Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms in Deutschland standardisiert. Inzwischen sind auch Patientenratgeber zu diesen Leitlinien erschienen, die eine gute Basis für das Arzt-Patientinnen-Gespräch schaffen. Es ist zu hoffen, dass durch Einbindung von Patientinnen und Interessengruppen die Akzeptanz der frühzeitigen Diagnosestellung und adäquaten Behandlung weiterhin verbessert wird.

Durch das Konsortium „Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom“ sind Daten verfügbar, mit denen eine individuelle Beratung bei familiären Mammakarzinom in Bezug auf prophylaktische Maßnahmen immer besser möglich ist. Ebenso befinden sich gegenwärtig eine Reihe neuer genetischer Risikofaktoren in der präklinischen Prüfung, die zukünftig eine risikoadaptierte Prävention erlauben könnten. Als Risikofaktoren für Brustkrebs ist neben dem Körpergewicht (Body Mass Index) auch die mammographische Dichte zu werten. Erfahrungen wie diese dürften in naher Zukunft auch in diagnostische Prozesse eingehen.

Erfolgreiche deutsche Studien
Deutschland ist in den letzten Jahren sehr erfolgreich in klinischen Studien zum Mammakarzinom:
  • Im Rahmen der neoadjuvanten Therapiekonzepte konnten erstmals prädiktive Faktoren, die ein Therapieansprechen voraussagen, an großen Zahlen validiert werden (Metaanalyse der neoadjuvanten Studien der German Breast Group (GBG) und der AGO-B Studiengruppe). Mittels neuer Medikamentenkombinationen konnte die dosisdichte und dosisintensivierte Therapie international wettbewerbsfähig weiter entwickelt werden (AGO-4+-Studie, GAIN-Studie). Innovative Studien wie NNBC-3 und SUCCESS haben prognostische Marker (uPA/PAI-1) und den Nachweis disseminierter und zirkulierender Tumorzellen weiter validiert. Auch im Bereich der endokrinen adjuvanten Therapie ist es gelungen, die Analyse prädiktiver Marker auch auf Genexpressionsebene in prospektiven Studien voranzubringen (PREFACE).
     
  • Die letztgenannten Studien sprechen dafür, translationale Fragestellungen obligat in Studienprotokolle zu übernehmen. In diesem Zusammenhang wurden beispielsweise die 10-Jahres-Daten zur Chemo-N0-Studie erfolgreich international vorgestellt (Bestätigung des prognostischen Wertes der Invasionsfaktoren uPA/PAI-1). Auch Studien wie NNBC-3, PREFACE und SUCCESS sind bezüglich Fragestellung und Kohortengröße international wegweisend und werden wichtige neue Erkenntnisse bringen. Im Bereich der neoadjuvanten Therapien haben sich auch auf der Ebene von Genexpressionsprofilen Hinweise für neue prädiktive Marker ergeben.
     
  • Neben der universitären Forschung, die diese Ansätze ermöglicht, wurden auch hinsichtlich der medikamentösen Therapie weitere Fortschritte erreicht. So werden Taxane auch bei nodalnegativen Risikopatientinnen in die adjuvante Therapie Eingang finden. Immer aktueller wird darüber hinaus die Frage der anthrazyklinfreien adjuvanten Chemotherapie. Das ursprünglich als Hochrisikokarzinom zu bezeichnende HER-2-überexprimierende Mammakarzinom ist inzwischen therapeutisch mit mehreren Medikamenten (Antikörper wie Trastuzumab, Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Lapatinib und Neratinib) gut zu behandeln. Die adjuvante Therapie mit Bisphosphonaten kann aufgrund der aktuellen Daten als neuer zusätzlicher Therapieansatz gelten. Neu zur Beeinflussung von Knochenmetastasen ist der Einsatz von inhibierenden Antikörpern gegen den RANK-Liganden, für die in der metastasierten Situation eine im Vergleich zu Bisphosponaten noch weiter verbesserte Aktivität gezeigt werden konnte. So genannte „targeted drugs“ sind aus der Therapie des positiven Mammakarzinoms nicht mehr wegzudenken. Erfolge versprechen erste Daten zur Behandlung des erblichen Mammakarzinoms mit den so genannten PARP-Inhibitoren. Mit diesen Medikamenten werden auf intelligente Weise spezifische Zellreparaturwege blockiert und in der Folge Tumorzellen zerstört. Dieser Ansatz verspricht nach ersten Ergebnissen auch beim so genannten sporadischen triple-negativen Mammakarzinom scheinbar Erfolge und bedarf der Überprüfung in weiteren Studien.
[1] RKI-Broschüre „Krebs in Deutschland 2003 -2004“ www.rki.de


Aktualisiert am: 19.01.10 - 17:46



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