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Beherrsche ich den Schmerz oder beherrscht der Schmerz mich?
Viele Krebserkrankungen sind mit Schmerzen verbunden: Es wird geschätzt, dass etwa 60 Prozent aller Tumorkranken zu irgendeinem Zeitpunkt Schmerzen verspüren. Die Angst vor diesen Schmerzen ist groß, zumal viele Patienten damit häufig die Vorstellung verbinden, dass sie unbeeinflussbar und naturgegebener Bestandteil von Tumorerkrankungen sind. Das ist falsch! Für jeden Schmerzzustand gibt es heute individuell angepasste Therapien und medikamentöse Hilfen. Die Spirale Schmerz – Angst – Depression – Verzweiflung kann durch Analgetika (Schmerzmittel) durchbrochen werden.
Häufig gelingt dies auch mit Therapien, die sich direkt gegen die Ursache des Schmerzes richten, wie z. B. durch Operation, Bestrahlung, Hormonbehandlung oder Chemotherapie. Sollten sich diese Behandlungen als unzureichend erweisen, werden Analgetika zu Hilfe gezogen. Als Monopräparate oder kombiniert mit anderen Arzneimitteln und psychologischen Hilfen können sie fast alle Patienten von Schmerzen befreien oder sie zumindest erheblich lindern. Dies kann geschehen in Form von Tabletten, Tropfen, Zäpfchen, Spritzen und seit kurzem auch als Pflaster. Dass der Schmerz mit allen nur möglichen Mitteln intensiv bekämpft werden muss, steht außer Frage, denn Lebensqualität ist nur ohne oder mit geringen Schmerzen vorstellbar.
Manche Schmerzpatienten äußern Bedenken, dass Analgetika, besonders Opiate wie Morphin und morphinähnliche Mittel, die direkt im Gehirn wirksam werden, zur Abhängigkeit führen könnten. Diese Angst ist unbegründet: Die bei chronischen Schmerzen verabreichten Morphine geben ihren Wirkstoff so verlangsamt ab, dass es nicht zu den von Drogenabhängigen erwünschten kurzen Glücksgefühlen kommt, die letztendlich zu einer Sucht führen. Grundsätzlich stellt sich immer wieder die Frage: „Beherrsche ich den Schmerz oder beherrscht der Schmerz mich?“.
Dieses Kapitel wird Sie über die Prinzipien der Schmerztherapie informieren und Ihnen den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen von Schmerzmitteln erleichtern. Wir stellen die Behandlung nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dar und hoffen, dass Ihnen dieses Kapitel in schwierigen Situationen eine Stütze und Hilfe sein kann.
Aktualisiert am: 20.08.09 - 13:06