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Hyperthermie
Was ist die Hyperthermie?
Es ist in vielen Untersuchungen gezeigt worden, dass durch Temperaturerhöhung die Wirkung der konventionellen Therapieverfahren wie Bestrahlung oder bestimmter Zytostatika (Chemotherapie) verstärkt wird. Bei der Hyperthermie wird in bestimmten Körperbereichen eine Temperatur von ca. 41-42°C herbeigeführt und über eine bestimmte Zeit aufrechterhalten. Die eigentliche therapeutische Zeit beträgt 45-60 Minuten. Dazu kommt noch die Aufheizzeit von 10-30 Minuten, das ist diejenige Zeit bis der Tumor die Zieltemperatur erreicht hat. Für die Ganzkörper-Hyperthermie beträgt die Zeit 2-3 Stunden. Nach Abschalten der Leistung kommt es relativ schnell zu einer Abnahme der Temperatur im Behandlungsgebiet. Werden höhere Temperaturen (> 50°C) in einem begrenzten Gebiet (einige cm) erreicht, sprechen wir von Thermoablation.
Man unterscheidet:
Lokal
Lokale Hyperthermie bei begrenzten und ausschließlich an der Oberfläche des Körpers befindlichen Geschwülsten. Es werden Lokalapplikatoren direkt auf den oberflächlichen Tumor aufgelegt.
Regional
Regionale Hyperthermie bei ausgedehnten tiefgelegenen Geschwülsten des Beckens oder des Bauchraumes, die jedoch noch regional begrenzt sind. Die Leistungsübertragung findet in Ringapplikatoren statt, ei denen Radiowellenantennen as Behandlungsgebiet umgeben und über einen Wasserbolus an den Körper angekoppelt werden.
Teilkörper
Teilkörper-Hyperthermie ist eine Weiterentwicklung der regionalen Hyperthermie unter Kontrolle durch magnetische Resonanztomographie. Applikation und Leistung sind so ausgelegt, dass der gesamte Bauchraum erwärmt wird.
Ganzkörper
Ganzkörper-Hyperthermie bei Krebserkrankungen, die sich bereits über weite Teile des Körpers ausgebreitet haben, also bei Metastasen. Die Erwärmung erfolgt über Infraroteinstrahlung von der Körperoberfläche her (sog. radiative Systeme).
Thermoablation
Thermoablation bei einer begrenzten Zahl von kleinen Tumorherden von maximal 3 - 4 cm Ausdehnung. Energieübertrag mit Laser, Radiofrequenz oder Strömen.
Nanotherapie
Infiltration (Implantation) einer Nanoflüssigkeit (superparamagnetische Teilchen) im Therapiebereich (> 5 cm). Definierte Erhitzung in einem Magnetfeldapplikator.
Interstitielle Hyperthermie
Hier werden Antennen direkt in den Tumor eingebracht oder über Hohlorgane an den Tumor herangebracht. Es ist auf diese Weise eine sehr kleinräumige Erwärmung möglich, die In der Regel mit der sog. Afterloadingtherapie (interstitielle Strahlentherapie) kombiniert wird.
Extremitätenperfusion
Nach Punktion (operativer Eingriff) der zuführenden Arterie und abführenden Vene einer Extremität (Arm oder Bein) wird in einem externen Wärmeaustauscher das Blut auf eine bestimmte Temperatur erwärmt.
Voraussetzung
Die Hyperthermie (mit Temperaturen von 40-44°C) wird nicht als alleinige Therapie eingesetzt. Normalerweise wird sie mit Chemotherapie oder Radiotherapie (oder beidem) kombiniert. Die lokale oder regionale Hyperthermie ist bei großen (fortgeschrittenen) Tumoren sinnvoll, die weder mit Operation noch mit alleiniger Strahlentherapie ausreichend gut behandelbar sind. Besonders lokale Rezidive (erneut nachwachsende Tumoren) fallen in diese Kategorie.
Fernmetastasen (Geschwulstabsiedlungen im gesamten Körper) können auch unter Einsatz der Ganzkörper-Hyperthermie (zusammen mit Chemotherapie) behandelt werden. Auch hier gilt, dass die Hyperthermie erst eingesetzt wird, wenn die anderen (konventionellen) Therapieverfahren sich als unzureichend erwiesen haben. Im Falle der Ganzkörper-Hyperthermie ist das insbesondere dann gegeben, wenn mehrere Chemotherapie-Verfahren bereits in der Behandlung des Tumorleidens versagt haben und die Tumorerkrankung immer wieder aufgetreten ist bzw. schlecht angesprochen hat.
Umgekehrt wird die Hyperthermie in der Regel nicht eingesetzt, wenn es ein Standard-Therapieverfahren für die vorliegende Tumorerkrankung gibt, die gute Ergebnisse aufweist. Dies muss im einzelnen in einer onkologischen Fachabteilung bzw. an einem onkologischen Zentrum geprüft werden.
Werden höhere Temperaturen erreicht (> 50°C), sprechen wir von Thermoablation. In diesen Fällen kann ein Tumor geringerer Ausdehnung auch durch Hitze allein in einem einzigen Eingriff vernichtet werden.
Einsatzgebiete
Die
Hyperthermie findet ihr typisches Einsatzgebiet bei schwierigen Erkrankungsfällen:
- Lokal fortgeschrittene Tumoren, die schlecht oder gar nicht operabel sind
- Tumoren, die zwar operabel sind, aber nur bei Inkaufnahme inakzeptabler Nebenwirkungen
- Tumoren, die nach vorangegangener (konventioneller) Therapie ein- oder mehrfach wiederaufgetreten sind (Rezidive)
- Tumorerkrankungen, die besondere Risikofaktoren aufweisen
Bei den folgenden Tumoren kann die
Hyperthermie eingesetzt werden:
Nicht gelistete TumorenWenn eine Tumorerkrankung in der Liste nicht aufgelistet ist, kann trotzdem eine
Hyperthermie sinnvoll sein. Dies ist z.B. unter folgenden Voraussetzungen gegeben:
- Nicht operierbare und auch sonst schlecht behandelbare oberflächliche Tumoren.
- Nur wenn die üblichen Therapieansätze (Operation, Chemotherapie, Radiotherapie) geringe Aussicht auf Erfolg haben oder sich schon als unzureichend erwiesen haben (Rückfall), sollte die Hyperthermie in Erwägung gezogen werden.
Der Einsatz der (lokalen)
Hyperthermie hängt zusätzlich von der Erwärmbarkeit des Tumors mit den verfügbaren technischen Möglichkeiten (Applikatoren) ab.
MetastasenMetastasen (Absiedlungen) oder sehr große Ausdehnung eines Tumors: Im Prinzip könnte eine solche Erkrankung mit einer Ganzkörper-
Hyperthermie behandelt werden, aber nur unter folgenden Voraussetzungen:
- Erfolglose oder wenig erfolgversprechende Behandlung mit der üblichen Therapie (i.d.R. Chemotherapie), also typischerweise bei Rückfällen (Rezidiven)
- Keine Hirnmetastasen und kein Befall im Kopf-Hals-Bereich
- Ausreichend guter Zustand des Patienten, der die Anwendung einer so intensiven Therapie erlaubt.
Als grundsätzliche Regel gilt, dass die zu erwartende Lebenszeit noch mindestens 3 Monate betragen sollte. Nur dann kann eine so aufwendige (und nicht zuletzt auch belastende) Therapie wie die
Hyperthermie (insbesondere die Ganzkörper-
Hyperthermie) in Erwägung gezogen werden.
HinweisEine Tumortherapie mit
Hyperthermie kann gemäß den Richtlinien der IAH (interdisziplinäre Arbeitsgruppe
Hyperthermie) nur im Rahmen von laufenden Therapiekonzepten, so genannten Studien durchgeführt werden? Diese finden in
AKTIVEN ZENTREN statt, die in ganz Deutschland verteilt sind. Eine Liste der Zentren finden Sie auf den Seiten der IAH:
http://www.hyperthermie.org/hyperthermiezentren/
Nebenwirkungen
Die lokoregionale Hyperthermie wird im allgemeinen sehr gut vertragen und kann ohne besondere Medikamente oder andere Vorbereitungen durchgeführt werden. Typischerweise tritt ein lokales Wärme- oder Hitzegefühl auf. Mitunter kann dieses Wärmegefühl als Missempfindung bis hin zu einem Schmerzgefühl gesteigert werden – dieses muss sofort dem Arzt gemeldet werden und führt zu einer Änderung der Einstellung.
Nur in Ausnahmefällen kann es zu länger anhaltenden Beschwerden (bis hin zu Wochen) oder gar zu einer Verbrennung kommen. Bei der regionalen Hyperthermie werden größere Leistungen (mehrere 100 W) in den Körper eingestrahlt, so dass es zu einem Wärmestress kommt. Dieses entspricht etwa einem Saunaaufenthalt und wird von kreislaufgesunden Patienten ohne weiteres vertragen.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Hyperthermie 60-90 Minuten dauert. Von manchen Patienten wird die Lagerung im Applikator oder auch auf einer Liege über einen so langen Zeitraum als unangenehm empfunden. Die umgebenden Wasserkissen können auch zu einem Engegefühl führen. Wichtig ist, dass vom Tumor herrührende Schmerzen ausreichend gut behandelt werden (es muß also vorher eine richtige Einstellung der Schmerzmitteltherapie erfolgt sein).
Bei der Ganzkörper-Hyperthermie wird der gesamte Körper auf eine Temperatur von 41-42 °C erwärmt. Sie wird in tiefer Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt und stellt für den gesamten Organismus eine größere Belastung dar. Man benötigt etwa einen Tag, um sich von der Therapie wieder vollständig zu erholen. Nebenwirkungen oder gar Komplikationen sind am ehesten von Seiten des Kreislaufs möglich, bei herzgesunden Patienten jedoch selten. Mitunter kann es zu oberflächlichen Verbrennungen kommen.
Fachliche BeratungProf. Wust
Charité, Campus Virchow-Klinikum - Berlin
Klinik für Strahlenheilkunde , Bereich Radioonkologie und
Hyperthermie
Aktualisiert am: 22.06.10 - 13:42