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Gebärmutterkörperkrebs, Endometriumkarzinom - Ursache und Risikofaktoren

Die direkten Ursachen des Gebärmutterkörperkrebses (Endometriumkarzinom, Korpuskarzinom) sind noch nicht genau bekannt. Man kennt jedoch eine Reihe von Faktoren, die seine Entstehung begünstigen können.

Als Hauptrisikofaktoren der Krebsentstehung müssen neben dem Alter, die Übergewichtigkeit, insbesondere nach den Wechseljahren, und die Einnahme ausschließlich östrogenhaltiger Geschlechtshormone im Rahmen hormoneller Therapien während und nach den Wechseljahren angesehen werden. Dagegen schützt die Einnahme „der Pille“ in der geschlechtsreifen Zeit, insbesondere bei Verwendung eines Präparates mit Östrogen und Gestagen vor der Entwicklung eines Karzinoms der Gebärmutterschleimhaut.
Weitere Risikofaktoren sind Kinderlosigkeit, eine frühe erste Periode (Menarche), eine spät eintretende Menopause oder lange Zyklen ohne Eisprünge (z.B. bei den so genannten polyzystischen Eierstöcken).
Darüber hinaus spielen Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes), eine vorangegangene therapiebedingte Strahlenbehandlung sowie erbliche Faktoren eine Rolle.
In seltenen Fällen können auch eine Einnahme von Antiöstrogenen (z.B. Tamoxifen) im Rahmen der Behandlung eines hormonrezeptor-positiven Brustkrebses sowie gewisse Vorstufen der Gebärmutterschleimhaut (atypische Endometriumhyperplasie) das Krebsrisiko erhöhen.

Schützend wirken sich neben der Einnahme der Pille auch mehrere Schwangerschaften und körperliche Bewegung aus.

Folgende Faktoren tragen zu einem erhöhten Krebsrisiko bei:

Risikofaktor: Alter
Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko einer Krebserkrankung des Gebärmutterkörpers. Für Sie besteht ein erhöhtes Risiko, wenn Sie älter als 50 Jahre alt sind. Während in der Altersgruppe zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr nur 5,6 Frauen von 100.000 pro Jahr erkranken, sind es bei den 50-54 jährigen 31,9 und bei den 65-69 jährigen sogar 80,1 Frauen auf 100.000 pro Jahr.

Risikofaktor: Östrogeneinwirkung - Übergewichtigkeit
Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterkörperkrebs spielt das körpereigene weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Es wird hauptsächlich in den Eierstöcken und im Fettgewebe produziert und bewirkt an der Gebärmutterschleimhaut ein Wachstum der Drüsenzellen. Während des weiblichen Monatszyklus wird die Östrogenwirkung durch das zweite weibliche Geschlechtshormon, das Gestagen (Gelbkörperhormon), welches nach dem Eisprung vom Gelbkörper produziert wird, unterbrochen. Dies führt letztlich zur zyklischen Abstoßung der Schleimhaut (Menstruation) und verhindert somit eine Entartung.

Eine wichtige Ursache der Krebsentstehung sehen Wissenschaftler im hormonellen Umstellungsprozess zur Zeit der Wechseljahre. Während der Körper in dieser Lebensphase die Produktion der Gestagene einstellt, bildet er zunächst – insbesondere im Fettgewebe - weiterhin Östrogene. Ein entscheidender Östrogenanteil wird im Fettgewebe – abhängig vom Grad einer Übergewichtigkeit – gebildet. Eine lang anhaltende Einwirkung von Östrogen auf die Gebärmutterschleimhaut kann – durch den andauernden Teilungsreiz auf die Zellen – die Entwicklung eines bösartigen Tumors begünstigen. Dieses ist auch dann der Fall, wenn zum Hormonersatz während der Wechseljahre ausschließlich Östrogene eingenommen werden. Wird das Östrogen mit einem Gestagen kombiniert, wie dieses heute üblich ist und in den Leitlinien empfohlen wird, besteht keine erhöhte Gefahr für Gebärmutterschleimhautkrebs.

Ein gering erhöhtes Risiko haben zudem auch solche Frauen, die früh ihre erste Regelblutung hatten und die spät in die Wechseljahre kommen. Bei Frauen, die keine Kinder geboren haben, ist das Risiko ebenfalls gering erhöht. Auch hier spielt die Gesamtzeit der Östrogeneinwirkung auf die Gebärmutterschleimhaut eine Rolle.

Risikofaktor: Erbliche Faktoren
Eine genetische Veranlagung zur Entwicklung von Gebärmutterkörperkrebs kann innerhalb von Familien vererbt werden. Dieses ist das HNPCC-Syndrom (Hereditary-Non-Polyposis-Colon-Cancer-Syndrom bzw. Lynch-Syndrom), welches mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% auf die nächste Generation ererbt werden kann. In diesen Familien sind eine oder mehrere Verwandte ersten Grades, also Mutter oder Schwester, ebenfalls erkrankt. Zudem kommen in diesen Familien gehäuft Darmkrebs- und Eierstockkrebsfälle vor. Etwa 5-10 Prozent aller Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs weisen ein erhöhtes erbliches Risiko auf. Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn eine Frau bereits zuvor an Dickdarmkrebs oder an Brustkrebs erkrankt ist. 

Man kann man in vielen der betroffenen Familien die verantwortliche genetische Veränderung (Mutation) identifizieren. Um bei einem gesunden Angehörigen eine Veranlagung ausschließen zu können, muss zunächst bei einem erkrankten Familienmitglied die genetische Veränderung nachgewiesen werden.

Risikofaktor: Antiöstrogene oder Aromatasehemmer
Frauen, die aufgrund einer Brustkrebserkrankung mit dem Medikament Tamoxifen behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko, an Gebärmutterkörperkrebs zu erkranken – vor allem dann, wenn sie das Medikament länger als fünf Jahre eingenommen haben. Diese Einnahmedauer ist aber nach den neuesten Empfehlungen nicht mehr gegeben (Einnahmedauer max. 2-5 Jahre). Tamoxifen ist ein Antiöstrogen, d.h. es hemmt in der Brust die Wirkung körpereigener Östrogene. An der Gebärmutterschleimhaut wirkt Tamoxifen allerdings eher wie ein Östrogen: Es regt die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum an und kann auf diese Weise die Entwicklung von Tumoren begünstigen. Aromatasehemmer werden zur Unterdrückung der Produktion von Östrogenen eingesetzt. Sie zeigen jedoch nur eine sehr geringe Erhöhung der Gebärmutterschleimhautkrebsfälle im Vergleich zu keiner Medikamenteneinnahme. Aromatasehemmer werden für 3-5 Jahre eingenommen. Wenn Sie Tamoxifen oder Aromatasehemmer zur Behandlung von Brustkrebs einnehmen, sollten Sie sich daher regelmäßig gynäkologisch untersuchen und eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide durchführen lassen. Bei der Abwägung der Vorteile für das Überleben der Brustkrebspatientin überwiegen diese aber eindeutig.

Risikofaktor: Strahlenbehandlung
Nach einer Strahlenbehandlung im Bereich des Beckens oder des Bauchraums ist das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs ebenfalls erhöht.

Risikofaktor: Atypische Hyperplasie
Ein erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung der Gebärmutter haben auch Frauen, die an einer so genannten atypischen Endometriumhyperplasie leiden. Das ist eine krankhafte Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, die in etwa einem Drittel der Fälle in einen Gebärmutterschleimhautkrebs übergeht. Bei Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben oder die bereits die Wechseljahre erreicht haben, wird bei dieser Erkrankung in der Regel vorsorglich die Gebärmutter entfernt. Frauen, die sich noch Kinder wünschen, sollten sich von Ihrer Frauenärztin bzw. Ihrem Frauenarzt speziell beraten lassen.

(red)



Quellen:
Kommission Uterus d. AGO e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Endometriumkarzinom, in: Leitlinien zum Zervixkarzinom, zum Endometriumkarzinom und zu den Trophoblasttumoren, W. Zuckschwerdt Verlag 2008, S. 73-126
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006


Fachliche Beratung
Prof. Beckmann Universitätsfrauenklinik Erlangen PD Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen Dr. Thiel, MBA
Universitätsfrauenklinik Erlangen




Aktualisiert am: 26.09.11 - 16:05



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