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Gebärmutterhalskrebs, Zervixkarzinom

Bösartige Tumoren der Gebärmutter sind die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Genitalorgane. Unterschieden wird zwischen der Krebserkrankung des Gebärmutterhalses und der Krebserkrankung des Gebärmutterkörpers. Die beiden Tumorarten gehen jeweils von einem anderen Gewebe aus und unterscheiden sich hinsichtlich Früherkennung, Krankheitszeichen, Vorsorge, Diagnose und Behandlung.

Bösartige Tumoren des Gebärmutterhalses, auch Zervixkarzinome genannt, entwickeln sich zumeist aus der Plattenepithelhaut im Bereich des äußeren Muttermunds. Bevorzugt entstehen sie im Übergangsbereich (Transformationszone) von Gebärmutterschleimhaut und Plattenepithelhaut der Scheide. In seltenen Fällen entsteht Gebärmutterhalskrebs aber auch aus Schleimhautzellen des Muttermunds. Man spricht dann von einem Adenokarzinom. Die Entartung des Gewebes ist ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht und häufig durch bestimmte Arten von Viren ausgelöst wird. Da der Muttermund für eine Untersuchung gut zugänglich ist, können Zellveränderungen und Krebsvorstufen bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Häufigkeit und Prognose

Gebärmutterhalskrebs ist in den letzten Jahrzehnten dank der verbesserten Früherkennung zu einer eher selteneren Tumorart geworden. Die einst häufigste Krebserkrankung der Frau hat inzwischen, gemessen an allen bösartigen Frauenleiden, nur noch einen Anteil von 2,1 Prozent und steht damit an 12. Stelle.

Den jüngsten Daten des Robert-Koch-Instituts und des GEKID von 2013 (Daten aus dem Jahr 2010) zufolge treten derzeit in Deutschland jährlich etwa 4.660 Neuerkrankungen auf. Jedes Jahr versterben rund 1.500 Patientinnen an der Erkrankung. Die Krankheitshäufigkeit variiert mit dem Lebensalter. Besonders oft betroffen sind Frauen zwischen 40 und 59 Jahren. Ein zweiter Anstieg der Häufigkeit zeigt sich nach dem 60. Lebensjahr. Vorstufen und Frühformen von Gebärmutterhalskrebs werden vor allem bei Frauen im Alter von 20-40 Jahren festgestellt.

Die Diagnose fortgeschrittener Tumorstadien sowie die Zahl der Todesfälle sind in den letzten 30 Jahren stark zurückgegangen. Das ist unter anderem den wirksamen Früherkennungsmaßnahmen zuzuschreiben, durch die die Vor- und Frühstadien der Krebserkrankung rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden können. Die Einführung der HPV-Impfstoffe in die EU und die spätere Übernahme in die STIKO-Empfehlungen 2007 (GBA-Beschluss 2008) wird potenziell die Inzidenz- und Mortalitätsraten zukünftig weiter sinken lassen.

Hierdurch hat sich die Prognose für Erkrankte deutlich verbessert. Die Sterberaten sind seit 1980 deutlich zurückgegangen. Insgesamt stirbt in Deutschland derzeit ca. eine von 340 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, das entspricht den oben genannten etwa 1.500 Fällen jährlich, vor 30 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Patientinnen mit einem invasiven Zervixkarzinom liegt bei 69 Prozent (65 - 73 % je nach Bundesland). Dies beschreibt die Wahrscheinlichkeit, die nächsten fünf Jahre zu überleben, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung gleichen Alters. Die 5-Jahreprävalenz liegt bei 17.800 Frauen.


Inzidenz
absolut
Inzidenz
pro
100.000
Gesamt-mortalität
absolut
Gesamt-mortalität
pro 100.000
Gesamt
97.530
27.770
MCa
70.340
119,6
17.466
37,8
ECa
11.550
17,7
2.432
3,0
OCa
7.790
12,1
5.599
7,5
CxCa
4.660
9,3
1.524
2,5
Vul/VagCa
3.190
4,6
749
0,8
Gesamt-Inzidenzen und Mortalität der Gynäkologischen Karzinome
(MCa = Brustkrebs; ECa = Gebärmutterkörperkrebs, OCa = Eierstockkrebs, CxCa = Gebärmutterhalskrebs, Vul/VagCa = Vulva- und Vaginalkrebs)

(red)















Quellen:
Kommission Uterus d. AGO e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms, in: Leitlinien zum Zervixkarzinom, zum Endometriumkarzinom und zu den Trophoblasttumoren, W. Zuckschwerdt Verlag 2008, S. 1-72

Preiß J et al. Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie. Zuckschwerdt Verlag 2010.

Robert-Koch-Institut & Zentrum für Krebsregisterdaten (Hg.): Krebs in Deutschland 2009/2010, 9. Ausgabe, 2013; http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2013/krebs_in_deutschland_2013.pdf
S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien (2013).http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-002l_Impfpr%C3%A4vention_HPV_assoziierter_Neoplasien_2013-12.pdf

Fachliche Beratung



Prof. Dr. Matthias W. Beckmann Universitätsfrauenklinik Erlangen
 

Dr. Martin Koch
Universitätsfrauenklinik Erlangen


Prof. Peter Hillemanns, Universitätsfrauenklinik Hannover




Aktualisiert am: 04.04.14 - 15:26



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