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Chemotherapie

Die Chemotherapie kann in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten erfolgen.
Krebserkrankungen können heute mit einem breiten Spektrum verschiedener Arzneien und Methoden behandelt werden. Die traditionellen Bestandteile einer Krebstherapie sind Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Darüber hinaus stehen zunehmend auch so genannte zielgerichtete Therapien, z.B. mit Antikörpern, zur Verfügung. Eine Chemotherapie kann in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten erfolgen.

Chemotherapie: Medikamente gegen Krebs

Paul Ehrlich, Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 1908, war der erste, der den Begriff „Chemotherapie“ verwendete. Er verstand darunter jedoch keineswegs Medikamente gegen Krebs, sondern chemische Substanzen, die eingesetzt werden können, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Die erfolgreiche Methode Paul Ehrlichs, Wirkstoffe gezielt auf ihre Effekte zu prüfen und dann synthetisch weiter zu entwickeln, wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs übernommen. Analog zur Chemotherapie gegen Infektionserreger wie Bakterien oder Pilze sollten Arzneimittel geschaffen werden, die gesunde Zellen weitgehend unbehelligt lassen, auf Krebszellen jedoch „zytostatisch“ wirken, das heißtsich unkontrolliert vermehrende Zellen in ihrem Wachstum hemmen.

Welche Medikamente gibt es?

In den fünfziger Jahren gelang es erstmals, Krebspatienten mit Hilfe eines Medikamentes – des noch heute verwendeten Methotrexat – erfolgreich zu behandeln. Heute gibt es mehr als 50 verschiedene die Zellteilung hemmende Medikamente (Zytostatika).

Häufig verwendete Substanzen sind etwa Docetaxel, Cisplatin, Methotrexat, Adriamycin, Cyclphosphamid, Vincristin oder Fluorouracil. Diese Wirkstoffe werden aus Pflanzen gewonnen oder chemisch hergestellt. Sie entfalten ihre Wirkung in erster Linie in Zellen, die sich rasch teilen. Ansatzpunkt ist in den meisten Fällen der Zellkern, die Steuerzentrale einer Zelle. Dort schädigen sie das Erbmolekül, die DNS (Desoxyribonukleinsäure). Infolgedessen stirbt die Zelle ab, oder verliert zumindest ihre Fähigkeit, sich zu teilen. Da eine Chemotherapie prinzipiell in allen Zellen wirken kann, beeinträchtigt sie auch gesundes Gewebe in unterschiedlichem Maße. Hieraus ergeben sich Nebenwirkungen, die heute meist gut behandelt werden können.

Welche Vorteile hat die Chemotherapie?

Mit dem ersten Zytostatikum stand Anfang der fünfziger Jahre eine weitere Methode zusätzlich zu den vorhandenen Behandlungsweisen Operation und Bestrahlung zur Verfügung. Medikamente haben den Vorteil, dass sie im Unterschied zu Operation und Bestrahlung eine „systemische“, das heißt eine den ganzen Körper betreffende Behandlung ermöglichen. Die als Infusion, als Spritze oder Tablette verabreichten Zytostatika verteilen sich mit dem Blutstrom in alle Gewebe und Organe des Körpers und können auf diese Weise auch „versteckte“ Tumorzellen erreichen und zerstören. Eine Ausnahme macht das Gehirn, in das aufgrund der so genannten „Blut-Hirn-Schranke“ nur bestimmte Zytostatika vordringen können.

Die systemische Therapieform erlaubte es erstmals, fortgeschrittene Krebsstadien, die bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben, zu behandeln. Bei bösartigen Krankheiten, die den ganzen Körper betreffen, beispielsweise Blutkrebs, ist die Chemotherapie die vorrangige und manchmal auch die einzige Behandlungsform. Mittlerweile werden Zytostatika auch gezielt eingesetzt, um örtlich begrenzt wachsenden Tumoren zu begegnen (regionale Chemotherapie), zumeist kombiniert mit einer Operation oder Bestrahlung. Ein Beispiel ist die Verabreichung direkt in die Leberarterie, um so Tochtergeschwülste in der Leber zu bekämpfen. Viele Verfahren sind allerdings noch in einem experimentellen Stadium.

Wann erfolgt eine Chemotherapie?

Bei den meisten bösartigen Erkrankungen werden zellteilungshemmende Medikamenten mit anderen Verfahren wie Operation oder Bestrahlung kombiniert. Die „adjuvante“ Chemotherapie erfolgt nach einer Operation oder Bestrahlung. Das Ziel ist, mit Hilfe der Medikamente möglicherweise verbliebene Tumorreste und Tochtergeschwülste zu bekämpfen.

Manchmal beginnen die Ärzte eine Chemotherapie bereits vor einer Operation oder Strahlenbehandlung. Diese „neoadjuvante“ Chemotherapie zielt darauf ab, den Tumor zu verkleinern. Auf diese Weise soll eine bessere Ausgangssituation für die weitere Behandlung erreicht werden.

Eine besondere Behandlungsform ist die so genannte „Hochdosischemotherapie mit Stammzelltransplantation“. Das Prinzip dieser Strategie: Vor einer hochdosierten Chemotherapie – dabei wird eine drei- bis fünffach stärkere Dosis als üblich verabreicht – werden die lebenswichtigen blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks „in Sicherheit“ gebracht und dem Patienten nach der intensivierten Behandlung mit Zytostatika wieder per Infusion zurückgegeben. Diese Form der Chemotherapie kommt nur bei bestimmten Krebsarten zum Einsatz.

Wie erfolgt eine Chemotherapie?

Die Art und Weise einer Chemotherapie wird vom Arzt für jeden Patienten individuell bestimmt. Grundlage der Therapie sind Behandlungsprotokolle, in denen das nach dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand derzeit bewährteste Vorgehen festgelegt ist.

In den meisten Fällen wird nicht nur ein einzelnes Zytostatikum (Monochemotherapie) sondern die Kombination mehrerer Zytostatika mit unterschiedlichen Wirkprinzipien (Polychemotherapie) gegeben. Dadurch sollen der Behandlungserfolg optimiert und Nebenwirkungen minimiert werden.

Die Chemotherapie erfolgt in mehreren Zyklen. Üblicherweise werden die Medikamente über einen Zeitraum von ein bis fünf Tagen verabreicht. Es folgt dann eine Pause, in der sich gesunde Gewebe und Organe des Körpers, beispielsweise das Knochenmark oder die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, von der zellschädigenden Wirkung der Zytostatika erholen können. Danach schließt sich der nächste Chemotherapie-Zyklus an.

Die meisten Zytostatika werden gespritzt oder über einen „Tropf“ infundiert (Infusion). Einige der Medikamente können auch oral eingenommen, das heißt als Tabletten geschluckt werden.

Welche Nachteile hat die Chemotherapie?

Die Nachteile der Chemotherapie hängen direkt mit den erwünschten zellschädigenden Effekten zusammen: Die Medikamente wirken nicht nur auf Tumorzellen ein, sondern auch auf alle anderen Zellen, die sich natürlicherweise schnell teilen, beispielsweise Zellen der Schleimhaut, der Haarwurzeln oder des Knochenmarks. Die Folgen sind Störungen im Verdauungstrakt, Haarausfall und Veränderungen der Blutwerte. Zu den häufigen Nebenwirkungen, die bei einer Therapie mit Zytostatika auftreten könne, zählen auch Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall und allgemeines Unwohlsein.

Um Nebenwirkungen rasch zu erkennen und ihnen zu begegnen, erfolgen während einer Chemotherapie häufig Kontrolluntersuchungen. Heute können die wichtigsten Nebenwirkungen (Ausnahme: Haarausfall) durch Medikamente oder andere Gegenmaßnahmen gelindert oder ganz verhindert werden. Ein Beispiel sind neuere Medikamente, die – bereits vor Beginn einer Chemotherapie verabreicht – Übelkeit und Erbrechen unterbinden. Schädigungen des Knochenmarks können mit neuen Medikamenten gemildert werden, die Blutzellen zum Wachstum anregen und ihre Regeneration beschleunigen. Diese begleitenden Maßnahmen gehören zur „supportiven“, zur unterstützenden Therapie.

Derzeit werden neue Zytostatika entwickelt und klinisch erprobt, die besonders selektiv wirken sollen: Sie treffen vorwiegend die Tumorzellen und lassen gesunde Zellen unbeschadet. Dies soll mit verschiedenen Methoden erreicht werden, die alle zum Ziel haben, die Nebenwirkungen zu minimieren, die Wirkung an der Tumorzelle aber zu optimieren.

Ein Beispiel sind eingekapselte Zytostatika: Die Kapseln können nur von Enzymen, die für Tumorzellen typisch sind, „geöffnet“ werden. Erst dann wird das Zellgift, das Zytostatikum, frei. Verbesserungen werden auch von so genannten Therapieoptimierungsstudien erarbeitet. Sie ermitteln, welche Zytostatika in welcher Weise miteinander kombiniert werden müssen, um bestimmte Tumorarten best möglichst und mit geringen Nebenwirkungen zu bekämpfen.

(red)




Quellen:
M. Pfreundschuh: Prinzipien der medikamentösen Tumortherapie, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 651-702


Aktualisiert am: 22.02.13 - 16:26



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