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EHA 2012

17. Jahrestagung der European Hematology Association


Expertenrunde Lymphome und Multiples Myelom
Hämatologische Tumoren: Aktuelles vom EHA 2012
Auf dem diesjährigen EHA 2012 gab es vor allem zur Therapie von Lymphomen hoffnungsvoll stimmende Ergebnisse mit neuen Substanzen bei Chemotherapieresistenz. Viel Potenzial messen die Experten dem oralen BTK-Inhibitor Ibrutinib zu, der sowohl als Monotherapie als auch in Kombination ein hohes Ansprechen bei sehr guter Verträglichkeit zeigte. Auch der BCL2-Inhibitor Navitoclax, der die gestörte Apoptose-Balance aufhebt, sowie CAL-101 versprechen bei verschiedenen Lymphom-Erkrankungen eine andauernde Remission. Bei den aggressiven Lymphomen kreisten die Diskussionen um unterschiedliche Dosierungen des R-CHOP-Regimes und Pro und Contra der Nachbestrahlung in Abhängigkeit von der Remission. In der Behandlung des Multiplen Myeloms konnte erstmals eine molekulare Remission definiert werden, woraus die Frage nach dem Benefit aus einer Erhaltungstherapie, z.B. mit Lenalidomid, resultiert. Als neue Substanzen eröffnen Carfilzomib, Pomalidomid und der erste Antikörper in der Behandlung dieser Entität, Elotuzomab, neue therapeutische Möglichkeiten.
 
Expertenrunde Lymphome
Teilnehmer der Diskussionsrunde sind:
  • PD Dr. Igor Wolfgang Blau, Berlin
  • Prof. Martin Dreyling, München
  • Prof. Hartmut Goldschmidt, Heidelberg
  • PD Dr. Christof Scheid, Köln
  • Prof. Stephan Stilgenbauer, Ulm



Interview Prof. Dietger Niederwieser
Renaissance der Tumorimmunologie
Prof. Dietger Niederwieser vom Universitätsklinikum Leipzig berichtet im Interview über aktuelle Erkenntnisse vom EHA-Meeting 2012 in Amsterdam. Seiner Meinung nach erlebt die Tumorimmunologie derzeit eine Renaissance. So stellt er einen neuen, sehr potenten biphänotypischen Antikörper vor. Daneben geht er auf aktuelle Erkenntnisse bei AML und CML ein. Weiterhin spricht Prof. Niederwieser über die Rolle des Stromas beim Tumorwachstum. Andere Themen sind u.a. Bendamustin bei CLL und niedrigmalignen Lymphomen, myeloproliferative Neoplasien und myelodysplastisches Syndrom.


Interview Prof. Peter Dreger
Autologe Stammzelltransplantation bei Lymphomen: Thiotepa als Alternative zum BEAM-Regime
Prof. Peter Dreger, Heidelberg, berichtet über den Einsatz Thiotepa-basierter Regime im Rahmen der autologen Stammzelltransplantation bei Lymphompatienten. Das derzeit in dieser Indikation als Standar geltende BEAM-Schema ist aufgrund seiner starken Pulmotoxizität für viele Patienten nicht geeignet. Thiotepa, eine Substanz, die sich in der Behandlung von Patienten mit primären ZNS-Lymphomen schon seit langem bewährt hat, könnte nun bei vergleichbarer Effektivität eine besser verträgliche Alternative gerade für komorbide Patienten sein, wie die internationale Analyse gezeigt hat. Auswertungen zur allogenen Stammzelltransplantation werden erwartet.


Multiples Myelom
Lenalidomid-Erhaltung verlängert PFS
Beim Multiplen Myelom führt die Erhaltungstherapie mit Lenalidomid mehreren aktuellen Studien zufolge zu einer deutlichen Reduktion des Progressionsrisikos. Die CALGB-Studie 100104 belegte zudem einen signifikanten Vorteil auch für das Gesamtüberleben. Wie die MM-015-Studie gezeigt hat, lässt sich durch die Hinzunahme von Lenalidomid in der Erhaltungstherapie bei Patienten, die für eine ASZT nicht geeignet sind, das Progressionsrisiko mehr als halbieren.
Asymptomatische Patienten
Bisher gilt: Patienten mit asymptomatischem Multiplem Myelom brauchen zunächst keine Therapie. Möglicherweise könnte diese Direktive bald der Vergangenheit angehören. Zwei Studien, die beim Kongress der European HematologyAssociation (EHA) in Amsterdam 2012 präsentiert wurden, befassten sich mit Patienten, die eine hohes Risiko für die Manifestation von Organschäden haben und daher potenziell von einem frühen Therapiebeginn profitieren.
Rezidivtherapie mit Lenalidomid
Im Gegensatz zur Induktionstherapie vor einer Stammzelltransplantation, ist in der Rezidivtherapie des Multiplen Myeloms bisher keine Kombination, bestehend aus neuer Substanz und zytostatischer Komponente als Standard etabliert. Eine deutsche Studiengruppe hat die Machbarkeit der Kombination Lenalidomid, Bendamustin und Prednisolon bei Patienten mit rezidiviertem refraktärem multiplen Myelom in verschiedenen Dosierungen untersucht.
Langzeitüberleben bei Multiplem Myelom
Annähernd jeder vierte Patient mit Multiplem Myelom lebt heute nach Induktionstherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation noch mindestens zehn Jahre. So eine beim Kongress der European HematologyAssociation 2012 vorgestellte retrospektive Analyse zum Langzeitüberleben. Entscheidend für ein langfristiges Überleben ist demnach eine möglichst vollständige Tumorremission.
Oraler Proteasom-Inhibitor in der Primärtherapie
Der neue orale Proteasom-Inhibitor MLN9708 zeigte in einer Phase-I-Studie in Kombination mit Melphalan/Prednison eine gute Verträglichkeit bei Patienten mit neu diagnostiziertem, symptomatischemMultiplem Myelom, die für eine Transplantation nicht geeignet sind.


Hämatologische Tumoren
CML: Nilotinib Imatinib signifikant überlegen
Die auf dem EHA 2012 präsentierten 3-Jahresdaten der ENESTnd-Studie belegen, dass deutlich mehr Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie unter Nilotinib eine gute molekulare Remission erreichen als unter Imatinib. Das schnelle und tiefe Ansprechen unter Nilotinib ist außerdem offenbar mit einem längerem progressionsfreien und Gesamtüberleben verbunden, so die Ergebnisse einer weiteren Analyse.
 
BTK-Inhibitor hat hohe Wirksamkeit bei CLL
Beim diesjährigen EHA-Jahrestreffen wurde eine aktualisierte Analyse der Phase Ib/II-Studie PCYC-1102 vorgestellt, in der die Wirksamkeit und Sicherheit des ersten Vertreters von BTK-Inhibitoren - Ibrutinib oder PCI-32765 - bei Patienten mit CLL/SLL geprüft wurde. Die Rationale für den Einsatz bilden Mutationen im Bruton-Tyrosinkinase-(BTK)-Gen, welches essentiell für die Entwicklung der normalen B-Lymphozyten ist. Namensgeber war der amerikanische Pädiater Ogden Bruton, der damals noch nicht ahnte, welche Vorarbeit er damit für die Therapie der CLL leistete.


Aggressive Non-Hodgkin-Lymphome
Stellenwert der Radiotherapie bei älteren DLBCL-Patienten
In der Initialbehandlung aggressiver B-Zell-Lymphome können Rituximab-basierte Therapiestrategien bei einem größeren Teil der Patienten zu lang anhaltender Krankheitskontrolle führen. Der Stellenwert der Radiotherapie im Zeitalter der Immun-Chemotherapie ist offen. Ob eine konsolidierende Bestrahlung bei einem großen Primärlymphom (Bulk) bei älteren Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) einen Nutzen bringt, wurde erstmals prospektiv im Rahmen einer aktuellen DSHNHL-Studie untersucht. Die Ergebnisse stellte der Studienleiter PD. Dr. Gerhard Held (Homburg) auf dem diesjährigen EHA-Jahrestreffen in Amsterdam vor.
Sekundäres ZNS-Lymphom: Risikofaktoren
Eine Reihe von Faktoren wird mit einem erhöhten Risiko für einen ZNS-Befall aggressiver Lymphome in Verbindung gebracht, wobei die Datenlage vorwiegend auf retrospektiven Studien und auf Kasuistiken beruht. Ein erhöhtes LDH, B-Symptome und der Befall von mehr als einer Extranodalregion wurden bereits in früheren Studien als unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung sekundärer ZNS-Lymphome bestätigt [1,2]. In einer neuen Analyse [3], die Prof. Dr. med. Norbert Schmitz (Hamburg) auf dem EHA 2012 vorstellte, war der Befall bestimmter extranodaler Regionen ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für ein ZNS-Ereignis assoziiert.


Mantelzell-Lymphom
Neue Daten zum Mantelzell-Lymphom mit ZNS-Befall
Das Europäische Mantelzell-Lymphom Netzwerk (EMCLN) hat eine retrospektive Aufarbeitung der bislang größten Fallserie von Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL) durchgeführt, um Inzidenz, Patientenmerkmale und Outcome beim MCL mit sekundärem ZNS-Befall zu dokumentieren. Die Ergebnisse wurden am EHA-Jahrestreffen, das im Juni in Amsterdam stattfand, präsentiert. Nach der aktuellen Analyse ist eine ZNS-Beteiligung in 4% der Fälle nachweisbar, tritt häufig auch bei der rezidivierten blastischen Variante auf und ist in der Regel symptomatisch.


 


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Aktualisiert am: 27.09.12 - 13:34



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