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Analkrebs, Analkarzinom

Beim Analkarzinom handelt es sich um einen bösartigen Tumor des Analkanals. Analkarzinome sind im Vergleich zum Dickdarmkrebs relativ selten (ein bis zwei Prozent aller Dickdarmkrebserkrankungen). Bestimmte Geschlechtskrankheiten und chronische Infektionen gehören zu den Risikofaktoren für die Entstehung. Frauen erkranken zweimal häufiger als Männer. Typische Symptome sind Blutablagerungen auf dem Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang und Juckreiz im Analbereich. Ähnliche Beschwerden können auch bei Hämorrhoiden auftreten.

Auftretende Beschwerden sollten grundsätzlich durch eine proktologische Untersuchung abgeklärt werden. Eine digitale Untersuchung des Anus und der Test auf so genanntes verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl wird in Deutschland im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt.

Anatomie des Anus und vorkommende Krebsarten

Der Anus oder Analkanal ist das äußere Ende des Dickdarmes und reicht von der Haut am Analrand bis zum Enddarm bzw. dem Übergang in die Schleimhaut des Enddarms (Rektum). Oberhalb der inneren Grenze (Linea dentata) finden sich häufig so genannte basaloide Karzinome, im Analkanal Plattenepithelkarzinome und an der Grenze zur äußeren Haut die so genannten Analrandtumoren als Plattenepithelkarzinome oder Basalzellkarzinome. Eine Unterscheidung ist sinnvoll, da die Behandlung einer unterschiedlichen Strategie folgt. Etwa zwei Drittel aller Analkarzinome sind Plattenepithelkarzinome.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Entstehen des Analkarzinoms wird mit dem humanen Papillomavirus in Verbindung gebracht. Das Virus wird sexuell übertragen und begünstigt die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und Vulvakrebs bei der Frau. Eine Infektion mit humanen Papillomviren kann zur Bildung analer Warzen (Condylomata accuminata) führen. Diese wiederum können neue Geschwulstbildungen innerhalb des Epithelgewebes (intraepithelialen Neoplasien) hervorrufen, die in ein Plattenepithelkarzinom übergehen können. Ist das Immunsystem geschwächt, wird die Entstehung eines Analkarzinoms zusätzlich gefördert. Daher haben AIDS-Patienten, Transplantationspatienten oder Patienten, bei denen aus anderen Gründen das Immunsystem therapeutisch unterdrückt wird, ein erhöhtes Risiko, an einem Analkarzinom zu erkranken.

Symptome

Folgende Beschwerden können Frühzeichen eines Analkarzinoms sein:
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Juckreiz im Analbereich
  • Fremdkörpergefühl
  • Stuhlunregelmäßigkeiten
  • Verstopfung
  • Probleme, den Stuhlgang zu kontrollieren
  • Vergrößerte Leistenlymphknoten
  • Auffällig geformter Stuhl, z.B. Bleistiftstühle oder Einkerbungen im Stuhl
Chronische Infektionen im Anusbereich, Hämorrhoiden, Fisteln, Fissuren, Condylomata, Herpes und Psoriasis können gleichzeitig mit einem Analkarzinom auftreten und müssen deshalb vom Arzt besonders beachtet und überwacht werden.

Diagnose

Bei auffälligen Symptomen sollte eine sorgfältige proktologische Untersuchung des Patienten erfolgen. Dabei wird der Anus zunächst abgetastet, anschließend wird eine Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie/Rektoskopie) durchgeführt, bei der eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen wird. Des Weiteren werden die Lymphknoten der Leisten auf Schwellungen und Schmerzen abgetastet.

Ist die Diagnose Analkarzinom durch die feingewebliche Untersuchung der Gewebeprobe gesichert, muss das Ausmaß der Erkrankung festgestellt werden. Dazu gehören die Bestimmung der Tumormarker (CEA, SCC), eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Röntgenaufnahme der Lunge. Die so genannte Endosonographie, eine Ultraschalluntersuchung, bei der der Schallkopf durch den Anus ins Körperinnere geführt wird, dient dazu, die Ausdehnung des Tumors am Anus festzustellen. Mithilfe von Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und einer gynäkologischen bzw. urologischen Untersuchung lassen sich Größe und Ausdehnung des Tumors ebenfalls sicher erkennen.

Therapie

Analrandtumoren haben insgesamt eine günstigere Prognose als die typischen Analkarzinome. Sie werden operativ entfernt, wodurch der Patient oftmals geheilt werden kann. In allen anderen Fällen wird nach sicherer Diagnose eines Analkarzinoms eine kombinierte Radiochemotherapie durchgeführt. Diese ist der früher bevorzugten alleinigen Strahlentherapie deutlich überlegen und hat sich deshalb beim Analkarzinom zur Standardbehandlung vor einer nachfolgenden Operation entwickelt. In mehr als 70 Prozent der Fälle kann den Patienten durch die Radiochemotherapie ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) bei der Operation erspart werden. Nur wenn nach der Radiochemotherapie noch Tumorreste nachweisbar sind, sind eine vollständige Entfernung des Rektums und die Schaffung eines künstlichen Darmausgangs erforderlich. Primär chirurgisch behandelte Analrandkarzinome haben mit über 90 Prozent Langzeitheilung eine exzellente Prognose.

Bei der sogenannten kombinierten Radiochemotherapie werden neben dem Tumorgebiet auch die Lymphknoten im Becken sowie beider Leisten bestrahlt. Diese Therapie dauert in der Regel fünf bis sieben Wochen. Die zusätzliche Chemotherapie wird heutzutage mit den Wirkstoffen 5-FU (5 -Flourouracil) und Mytomicin C durchgeführt. Die Chemotherapie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die in besonderem Maße auf Krebszellen zutrifft.

Nebenwirkungen der Radiochemotherapie sind in erster Linie Durchfälle und Beschwerden beim Wasserlassen. Besonders empfindlich ist auch die durch Bestrahlung angegriffene Haut im analen Bereich, so dass es hier oftmals zu Entzündungen kommt.

Der volle Therapieeffekt der Radiochemotherapie stellt sich erst nach Ablauf von zwei bis drei Monaten nach Therapieende ein. Analkarzinome bilden sich teilweise nur langsam zurück.

Behandlung bei Metastasen
Regionale Lymphknotenmetastasen und Metastasen im Beckenbereich können erneut mit Radiochemotherapie behandelt werden. Ist der Tumor inoperabel, kann eine Verengung (Stenose) des Anus in einigen Fällen mit Laser oder Kryochirurgie (Kältechirurgie) behandelt werden. Auch bei starken Schmerzen kann eine kombinierte Radiochemotherapie zur Anwendung kommen, wenn sich die Erkrankung nicht mehr heilen lässt (palliative Maßnahmen).

Eine Bildung von Tochtergeschwülsten in anderen Organen tritt beim Analkarzinom insgesamt selten auf. Die in diesem Fall empfohlene Chemotherapie ist oftmals aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Patienten nicht zu empfehlen. Kommt die Chemotherapie dennoch in Betracht, werden dafür die Zytostatika 5-Flourouracil und Cisplatin verwendet.

Nachsorge und Rehabilitation

Die Fünf-Jahresüberlebensrate eines Analkarzinoms nach Erstdiagnose beträgt zwischen 70 und 90 Prozent.

Bei erfolgreicher Therapie sollte innerhalb der ersten zwei Jahre vierteljährlich eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie/Rektoskopie) durchgeführt werden, um einen Rückfall auszuschließen. Später kann zu halbjährlichen Kontrollen übergegangen werden. Zur Verlaufskontrolle nach Ende der Therapie werden sog. Tumormarker im Blut der Patienten bestimmt. Eventuelle Fernmetastasierung in die Lunge oder in die Leber werden anhand einer Röntgenaufnahme der Lunge und einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Leber kontrolliert.

In der Anschlussheilbehandlung soll die Lebensqualität der Patienten gesichert bzw. verbessert werden. Eine stationäre Rehabilitation wird empfohlen bei Stuhlinkontinenz, Bestrahlungsfolgeschäden oder der Anlage eines künstlichen Darmausgangs.

Vorbeugung

Da die Entstehung des Analkarzinoms mit sexuell übertragbaren Virusinfektionen zusammenhängt, ist auf eine sorgfältige Sexualhygiene, wie z.B. der Benutzung von Kondomen, zu achten. Blutauflagerungen auf dem Stuhl sowie Jucken und Brennen im Analbereich können frühe Anzeichen eines Analkarzinoms sein. Da die Heilungschancen umso besser sind, je früher das Karzinom entdeckt und behandelt wird, sollten derartige Beschwerden sofort untersucht werden.

(red)



Quellen:
A. Schmieder: Analkarzinom, in: W. Dornoff, F.-G. Hagemann, J. Preiß, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie 2010: Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/2011, Zuckschwerdt Verlag 2010, S. 82-85
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2005
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2010

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Becker
Georg-August-Universität Göttingen
Klinik und Poliklinik für Allgemeinchirurgie


Aktualisiert am: 09.08.10 - 16:43

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